Helmut Froeyman 19.07.2026 1
In mehr als 30 Jahren Turnierschach ist es das erste Mal, dass ich im Juni ein Schachturnier mitgespielt habe. Da es im Juni nur eine sehr geringe Auswahl an mehrtägigen Turnieren gibt, fiel die Wahl erneut auf Tschechien (siehe meine frühere Besprechung von Marienbad). Es ist meines Wissens das einzige Land, in dem man jeden Monat ein großes offenes Turnier mit begrenztem Budget spielen kann und der Ort von Belgien aus relativ einfach mit dem Auto erreichbar ist. Das ist auch der Grund, warum ich Tschechien vor ein paar Jahren auf meinem Blog zu einer Schachrepublik ausgerufen habe.
Teplice ist eine Stadt im Norden Tschechiens mit etwa 50.000 Einwohnern, die gut 800 Kilometer von Belgien entfernt liegt. Man kann diese Strecke in einem Rutsch mit dem Auto zurücklegen, aber ich habe auf dem Hinweg eine Übernachtung in Dresden und auf dem Rückweg eine Übernachtung in Leipzig eingelegt. Sowohl Dresden als auch Leipzig sind sehr sehenswert. Zudem fällt mir auf, dass 37 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs immer noch große Unterschiede zwischen dem ehemaligen Ost- und Westdeutschland bestehen. Ich fand es dort jedenfalls um einiges angenehmer als unter anderem in Dortmund ein paar Jahre zuvor.
Während dieses Turniers wurde ich auch zum ersten Mal nur von meiner Ehefrau begleitet. Unsere Kinder sind 17–18 Jahre alt, daher fanden sie es völlig in Ordnung, dass wir 11 Tage lang nicht zu Hause waren. Ich konnte meine Frau davon überzeugen, mitzureisen, da Teplice zahlreiche touristische Vorzüge bietet. Die Stadt ist bekannt für ihren Kurort. Neben einem malerischen Zentrum verfügt sie auch über zahlreiche moderne Einkaufszentren. Zudem liegt Prag nur 50 km entfernt und es gibt eine hervorragende Bus- und Zugverbindung. Jeden Tag gab es nur eine Partie, die um 15:00 Uhr begann, sodass wir jeden Abend noch Zeit zum Abendessen und für Spaziergänge hatten. So entdeckten wir, dass Teplice über mehrere ausgezeichnete Gaststätten (Restaurant Beethoven, Brauerei-Restaurant Monopol, Penzion U Kozicky) und einige schöne Parks verfügt.


Nach Marienbad war es diesmal meine Absicht, in der Hauptgruppe mitzuspielen, aber das war ohne die 45 Anmeldungen von Indern gerechnet. Mit meiner Wertungszahl müsste ich in einem Albtraumszenario fast jede Partie gegen einen Inder spielen. Ich habe absolut nichts gegen Inder, aber ich habe keine Lust, für sie (kostenlos) als Elo-Lieferant zu fungieren. Also wechselte ich in die Kategorie +50, an der ebenfalls noch 1 GM und 3 IMs teilnahmen. Viele dachten offenbar genau wie ich über die Inder, denn fast die Hälfte der Teilnehmer verließ die Hauptgruppe noch vor Turnierbeginn. Die Organisation musste mit Bedauern feststellen, dass der Spielsaal nicht einmal zur Hälfte gefüllt war.

Die Bretter waren daher weiträumig im Spielsaal verteilt. Jeder Spieler erhielt vorab ein kleines Andenken und einen Kugelschreiber von der Turnierorganisation. Kostenloses Wasser war erhältlich (kein Luxus, da es im Saal in der letzten Runde mangels Klimaanlage über 30 Grad warm wurde), aber dabei blieb es auch. Man sollte keine osteuropäischen Turniere wegen der Gemütlichkeit mitspielen. Eine Bar, ein Analyseraum oder ein Abschlussreempfang fehlten auch hier wieder. Abgesehen von der ersten Runde waren die Paarungen pünktlich, sodass ich mich jedes Mal gut vorbereiten konnte. Die Preisverleihung verlief hingegen chaotisch. Es gab keine klare Startzeit, weshalb viele ziellos um die letzten Bretter herumlungerten. Jeder, der einen Geldbetrag gewonnen hatte, musste hinterher noch mehr als eine Stunde in einer langen Schlange anstehen, nur um festzustellen, dass das Preisgeld ausschließlich in bar in der Landeswährung ausgezahlt wird.

Wenn man im Ausland spielt, weiß man, dass man sich den lokalen Gepflogenheiten beugen muss, aber ich habe dennoch mehrfach die Stirn gerunzelt. Einige lokale Spieler fanden es normal, eine feste Brettnummer für sich zu beanspruchen. Ich verstehe das, wenn man eine Beeinträchtigung hat oder ein YouTube-Streamer ist, aber nicht, um zum Beispiel nicht an den Live-Brettern spielen zu müssen. Ich sah während des Turniers auch einen lokalen Spieler mehrfach vapen, und es wurde nichts dagegen unternommen. Über das Spielen mit nicht standardmäßigen Figuren habe ich bereits einen Artikel auf meinem Blog veröffentlicht: Česká Klubovka IV. Übrigens habe ich die Fotos für diesen Artikel mit meinem Handy aufgenommen, nachdem ich meine letzte Partie beendet hatte, während andere Partien noch liefen. Ich sah zahlreiche Spieler mit dem Handy in der Hand im Turniersaal. Ich hörte mehrere Spieler über potenziellen Betrug klagen.
Während des Turniers ließ ich mein Handy selbst im Auto. Das war auch ein wichtiger Grund, warum ich trotz der Entfernung von nur 1 km zwischen Turniersaal und unserer Unterkunft mit dem Auto kam. Ich habe mein Handy nach der Partie gerne sofort bei mir, um zu sehen, ob meine Frau schon von ihren Aktivitäten zurück ist oder ob ich noch ein wenig fachsimpeln kann. Übrigens gab es einen großen kostenlosen Parkplatz vor der Sporthalle. Als Unterkunft hatten wir ein sehr komfortables Appartement mit Klimaanlage mitten im Zentrum von Teplice gemietet, die Rezidence Fontana.
Ich spielte ein recht gutes Turnier, womit ich meine: ohne große Patzer. Es half natürlich, dass in der Kategorie +50 niemand unterbewertet ist. Das Energieniveau meiner Gegner liegt dort um einiges niedriger als bei Jugendspielern. Meine Gewinnpartie aus der 2. Runde war sicher nicht fehlerfrei, aber ich finde sie persönlich am interessantesten.
In der Schlussrunde willigte ich in das Remisangebot des britischen Großmeisters Keith Arkell in einer Gewinnstellung ein, siehe Lichess-Studie. Das wurmte mich hinterher, obwohl mir auch klar ist, dass der Sieg weit außerhalb meiner schachlichen Fähigkeiten liegt. Mit einem Elo-Plus von 14 Punkten und einem 2. Platz im Wert von 8.000 Kronen war ich letztlich sehr zufrieden.

Ich sehe bestimmte (ausländische) Spieler schon seit vielen Jahren in Teplice mitspielen. Das Turnier hat seine Eigenheiten, aber sicherlich auch seinen Charme. Die Zukunft wird zeigen, ob dies ein einmaliger Besuch war oder ob er wiederholt wird.
Helmut Froeyman
Pierre Fox
24.07.2026 - 18:32